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Paris - Acid Reflex
By Alex Engelen, Pound Magazine, October, 2008
THE DEVIL MADE HIM DO IT
Die Karrierehighlights sind spärlich geworden im
künstlerischen Schaffen von Oscar Jackson Jr., der seit knapp zwanzig Jahren unter seinem Künstlernamen
Paris hochpolitische Reimsalven über Beats feuert. Nichtsdestotrotz zählt der 41-Jährige,
der einst bei Tommy Boy unter Vertrag und als "Bush Killa" im Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik
stand, nach wie vor zur Polit-Rap-Elite der alten Schule. Dafür sind knapp vier Millionen verkaufte
Platten auf Independent-Basis Argument genug. Zusätzlich versorgt Paris die geneigten Leser
seiner labeleigenen Homepage guerrillafunk.com mit einer streng oppositionellen Informationsmischung
aus Black Power-Bewusstsein, konkreter Lebenshilfe, kritischer Weltpolitik und der jüngsten
9 / 11-Verschwörungstheorie. Seine lang propagierte Anti-Bush-Haltung teilt er mittlerweile mit
einem Großteil seiner Mitbürger - Bushs Zustimmung liegt bei etwa 30% -, auf einige andere Vorstellungen
des überzeugten Antikapitalisten, der eine Zeit lang recht erfolgreich als Börsenmakler
arbeitete, wird man sich weiterhin nicht so einfach einigen können.
Deine neue Single heißt "Don't Stop The Movement".
Von welchem Movement sprichst du?
Dem anhaltenden Movement, das den Kampf gegen
Ungerechtigkeit und für Selbstbestimmung vorantreibt.
Viele Menschen kämpfen hier jeden Tag darum,
dem Elend zu entfl iehen, aber mehr als jemals
zuvor müssen sie erkennen, dass bestimmte Teile der
Bevölkerung um jeden Preis versuchen, den Status
Quo auf Kosten aller anderen zu erhalten. Ich spreche
von diesem Movement und meine damit die Notwendigkeit,
Menschen zu motivieren, sie zu informieren
und sie so zu erziehen, dass sie diese Gegebenheiten
ablehnen.
Rap kann also politisch sein?
Ja, HipHop kann die Menschen motivieren. Ich kann
mich daran erinnern, was HipHop für einen Einfl uss
auf mich hatte, als ich aufgewachsen bin und mir klar
wurde, was in der Welt abgeht. Diesen Effekt kann
HipHop auch auf andere haben - so lange Vielfalt
herrscht. Sollte HipHop nur noch aus tanzbarer Musik
bestehen, oder aus Jungs, die mit ihrem Reichtum
protzen, dann taugt er nicht zum politischen Mittel.
So lange es aber Künstler wie mich, Dead Prez, Immortal
Technique oder Public Enemy gibt, kann Hip-
Hop dazu motivieren, sich politisch zu engagieren.
Aber es klafft eine Lücke zwischen dem Potenzial
von Rap und der Realität?
Das hängt natürlich davon ab, wen du das fragst.
Ganz offensichtlich haben Majorlabel-Rapper eine
viel größere Reichweite als Independent-Künstler.
Aber das Publikum lehnt sich mehr und mehr gegen
das auf, was das herkömmliche Radio und Fernsehen
präsentiert, weil es ihm viel zu plakativ und
verwässert ist. Die Leute wollen Underground, sie
wollen Hardcore. Das ist das Einzige, was von den
Anfangstagen des Genres übrig geblieben ist.
Und das ist deine Motivation, die Musik zu machen,
für die du bekannt bist?
An aller erster Stelle steht meine Liebe für die Musik.
Ich muss einfach Musik machen. Und wenn ich schon
dabei bin, will ich auch Inhalte vermitteln, von denen
die Zuhörer etwas haben. Ich will die Informationen,
die ich durch meine Reisen, meine Begegnungen mit verschiedenen Menschen und all die Bücher, dich ich
lese, bekomme, mit meinem Publikum teilen. Meine
Motivation ist es, zu sehen, dass es die Leute da
draußen besser machen als bisher.
Was hast du, deiner Meinung nach, in deiner fast
20-jährigen Karriere erreicht?
Na ja, ich habe eine ordentliche Menge Alben verkauft.
Außerdem war ich von Beginn an ein Teil einer
Bewegung, die durch ihr politisches Bewusstsein das
Genre geprägt hat. Da habe ich ohne Frage meinen
Platz sicher!
"ICH KANN MICH DARAN ERINNERN,
WAS HIPHOP FüR EINEN
EINFLUSS AUF MICH HATTE, ALS
ICH AUFGEWACHSEN BIN. DIESEN
EFFEKT KANN HIPHOP AUCH AUF
ANDERE HABEN - SO LANGE VIELFALT
HERRSCHT. SOLLTE HIPHOP
NUR NOCH AUS TANZBARER MUSIK
BESTEHEN ODER AUS JUNGS,
DIE MIT IHREM REICHTUM PROTZEN,
DANN TAUGT ER NICHT ZUM
POLITISCHEN MITTEL. SO LANGE ES
ABER KüNSTLER WIE MICH, DEAD
PREZ, IMMORTAL TECHNIQUE ODER
PUBLIC ENEMY GIBT, KANN HIPHOP
DAZU MOTIVIEREN, SICH POLITISCH
ZU ENGAGIEREN."
Und was kann man Neues von deinem nächsten
Album erwarten?
"Acid Refl ex" schließt genau dort an, wo ich
mit "Sonic Jihad" aufgehört habe: Kritik an der
Regierung, Kritik an der Gewalt in unseren eigenen
Reihen, Polizeibrutalität, Wirtschaftsthemen und Kritik
an organisierter Religion. Ich schlage ein neues
Kapitel meiner Karriere auf, dabei versuche ich aber,
mich nicht zu weit von dort weg zu bewegen, wofür
ich bekannt bin. Es gibt nichts Frustrierenderes als
einen Künstler unterstützen zu wollen, der sich aber
in eine komplett neue Richtung bewegt. Die Leute,
die auf meine Platten stehen, können sich hundertprozentig
sicher sein, dass sie genau das auf meinem
Album bekommen, was sie erwarten. Ich will mit diesem
Album einmal mehr in einem Genre für Balance
sorgen, in dem die Majorlabels daran eigentlich nicht
interessiert sind. Es wird ziemlich interessant werden,
weil das Album über Universal erscheint. Den Vertrieb
meines Labels Guerrilla Funk hat nämlich jetzt Universal
übernommen.
Sekunde, du veröffentlichst über Universal? Du
gehst mit dem Feind ins Bett?
Außer dem Feind ist ja niemand mehr übrig. In der
heutigen Musiklandschaft, die in sich zusammenfällt,
ist es notwendig, sich mit jemandem zusammenzutun,
der auch in Zukunft existieren wird. Wahnsinnig
viele Plattenläden und Labels mussten ihre Pforten
schließen, es gibt nur noch eine Handvoll Vertriebe.
Universal wird keinerlei Einfl uss auf die Inhalte meiner
Platten oder auf Guerrilla Funk haben. Sie haben einfach
erkannt, dass wir eine Menge Platten verkauft
haben, und da wollten sie mit im Boot sein. Ich wiederum
habe erkannt, dass sie der mächtigste Unterhaltungskonzern
der Welt sind und ich mit ihrer Hilfe
so viele Menschen wie möglich erreichen kann. Ich
habe kein Problem damit, ein Unternehmen wie Universal
dafür zu benutzen, meine Message zu verbreiten.
Eigentlich hat sich nichts verändert, denn davor
habe ich meine Platten über EMI vertrieben. Alles ist
relativ, verstehst du?
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